Langzeitrisiken von Hormonbehandlungen: Ein Faktencheck
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Langzeitrisiken von Hormonbehandlungen: Ein Faktencheck

Für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist die künstliche Befruchtung oft der letzte Ausweg. Um viele Eizellen zu gewinnen, werden die Eierstöcke mit Hormonspritzen stimuliert. Im Laufe einer IVF fragen sich die meisten Frauen mit welchen Spätfolgen sie eigentlich rechnen müssen. Wie wirken sich die Hormonbehandlungen langfristig auf meine körperliche Gesundheit aus?

Erhöhtes Risiko für Eierstock-Tumore?

Dass eine künstliche Befruchtung Folgen für die Gesundheit haben kann, haben Experten schon länger vermutet. Eine Studie vom Netherland Cancer Institute in Amsterdam  gibt Hinweise darauf, dass die Hormone tatsächlich Spuren hinterlassen. Die Stimulation der Eierstöcke, wie sie vor künstlichen Befruchtungen stattfindet, soll das Risiko für Eierstock-Tumore steigern.

Die Untersuchung erfasste 19.146 Frauen, die zwischen 1983 und 1995 mit Hormonen behandelt wurden, um Eizellen für die künstliche Befruchtung zu gewinnen. Laut den Forschern, steige das Risiko bei 55 Jahre alten Patientinnen, die einmal eine IVF-Therapie hatten, im Vergleich zu Frauen ohne IVF von 0,45 Prozent auf 0,71 Prozent an.

Ganz klar ist jedoch nicht, ob die Hormone selbst das Risiko an einem Eierstocktumor zu erkranken erhöhen, oder ob Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen bereits ein bestehendes Risiko haben. Die Studie zeigt aber auch, dass sowohl eine erhöhte Dosis der Hormone als auch mehrfache künstliche Befruchtungen das Erkrankungsrisiko nicht steigern.

Die wichtigste Konsequenz aus dieser Studie ist, dass Frauen, die eine IVF-Therapie im Laufe ihres Lebens gemacht haben, langfristige Vorsorge-Untersuchungen in Anspruch nehmen sollen und gezielte Untersuchungen machen lassen. Tumore an den Eierstöcken lassen sich nur durch eine spezielle Ultraschall-Untersuchung frühzeitig entdecken.

Risiko für Brustkrebs?

Dass Hormonbehandlungen auch zu Brustkrebs führen können, nutzte eine holländische Studie um dies zu untersuchen:

Mehr als 20.000 Frauen wurden nach einer IVF-Behandlung über 20 Jahre hinweg beobachtet. Dabei konnte zweifelsfrei gezeigt werden, dass sich aus der hormonellen Stimulationstherapie kein erhöhtes Brustkrebsrisiko ergibt.

Diese Frauen waren zum Zeitpunkt der Kinderwunschtherapie Mitte 30. Zum Zeitpunkt der Auswertung waren sie durchschnittlich 54 Jahre alt. Diese Frauen hatten durchschnittlich 3,6 Behandlungszyklen mit hormoneller Stimulation erhalten. Diese Frauen wurden mit einer Kontrollgruppe von 6600 Frauen verglichen, die ebenfalls Fruchtbarkeitsprobleme hatten, die sich aber keiner künstlichen Befruchtung unterzogen haben.

Bis zum Alter von 55 Jahren waren 3,0% der Frauen in der IVF-Gruppe und 2,9% in der Kontrollgruppe an Brustkrebs erkrankt. Es gab somit keinen signifikanten Unterschied zwischen diesen Gruppen. Interessant war auch, dass Frauen mit sieben oder mehr IVF-Behandlungszyklen nur etwa halb so häufig an Brustkrebs erkrankten als Frauen in der Kontrollgruppe. Die Experten führen dies darauf zurück, dass Frauen mit schwerwiegenden Fertilitätsproblemen generell ein geringeres Brustkrebsrisiko aufweisen.

Fazit

Da jene Frauen, die erstmals mit sehr hohen Hormondosen behandelt wurden, erst allmählich in das kritische Alter kommen, in dem diese Krebsarten ausbrechen, mahnen Experten zur Vorsicht.Diese Frauen sollen künftig sorgfältig beobachtet werden.

Weitaus harmloser wäre es, nur jene Eizellen zu verwenden, die in einem natürlichen Zyklus heranreifen. Diese Meinung findet aber leider kaum Gehör. Es gibt inzwischen Belege, dass die Qualität jener Eizellen, die ohne Hormonstimulation heranreifen, deutlich besser ist. Es zeigte sich außerdem, dass die Hormongabe dem Embryo die Einnistung teilweise erschwert.

Für die Stimulation sprechen eigentlich eher nicht-medizinische Gründe. Dafür tragen aber auch die Krankenkassen Verantwortung. Da sie die finanzielle Unterstützung nur auf eine bestimmte Anzahl von Versuchen beschränken, treiben sie Ärzte und kinderlose Paare dazu, gleich zu Beginn der Behandlung so viele Eizellen wie möglich gewinnen zu wollen.

Quelle: Frida E. Lundberg, Anastasia N. Iliadou, Kenny Rodriguez-Wallberg, Christina Bergh, Kristina Gemzell-Danielsson, Anna L.V. Johansson: Ovarian stimulation and risk of breast cancer in Swedish women, Fertility & Sterility.

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