IVF: Wie viele Versuche sind sinnvoll?
Künstliche Befruchtung

IVF: Wie viele Versuche sind sinnvoll?

Bisherige Einschätzungen besagten, dass die Schwangerschafts-Chance bis zum dritten oder vierten IVF-Versuch ansteigt. Danach aber nur mehr in wenigen Fällen mit einem Erfolg zu rechnen ist. Eine britische Studie zeigt aber, dass sich eine künstliche Befruchtung sogar bis zum neunten Versuch lohnen kann. 

Nach einer erfolglosen IVF sinkt bei den meisten Frauen die Hoffnung, dass sie jemals ein Baby bekommen werden. Die Situation wird dann von Versuch zu Versuch sogar noch belastender.

Wie verändern sich Erfolgsaussichten nach mehreren IVF-Versuchen?

Um zu untersuchen, wie hoch die Erfolgsaussichten auf eine Schwangerschaft auch nach vielen IVF-Versuchen wirklich sind, wurden bei der britischen Studie die Daten von über 156.000 Frauen geprüft, die sich in britischen Zentren einer künstlichen Befruchtung unterzogen hatten.

Für die Studie zählten nur jene Schwangerschaften, die auch tatsächlich ein Kind zur Welt brachten („baby-take-home Rate“) Die Ergebnisse zeigten, dass nach der ersten IVF fast jede dritte Frau ein Kind bekommen hatte. Viele Frauen brachen nach dem ersten erfolglosen Versuch die Behandlungen ab, doch bei denen, die weitermachten, stieg der Anteil der Frauen, die ein Baby bekamen, von Runde zu Runde.

Nach sechs Versuchen hatten 65 Prozent der Frauen ein Baby

Nach sechs Versuchen hatten 65 Prozent der Frauen ein Baby, und auch danach gab es noch Chancen, wenn auch nur noch geringe. Nach Schätzungen der Studienautoren stieg die Chance auf ein lebendes Kind von 54 Prozent nach drei Zyklen auf immerhin 68 Prozent nach neun Zyklen.

Das „Alter“ bleibt der wichtigste Faktor

Der wichtigste begrenzende Faktor für die Chancen auf eine Schwangerschaft nach IVF war das Alter der Frau. Wurden bei den Frauen von unter 40 Jahren noch 68 Prozent nach bis zu sechs Zyklen Mütter, so waren es im Alter von 40 bis 42 Jahren nur 31 Prozent und im Alter über 42 nur noch zehn Prozent.

„Es ist zu früh nach drei oder vier Versuchen aufzuhören“

Eine IVF kostet in Österreich und Deutschland etwa 3.500 Euro. Von den Krankenkassen werden die Kosten jedoch nur übernommen, wenn die Frau mit einem Mann verheiratet und nicht älter als 40 Jahre ist. Und auch dann werden maximal vier Versuche bezahlt. Nach Ansichten der Forscher könnte es jedoch zu früh sein, nach drei oder vier Versuchen aufzuhören, zumindest wenn die psychische und finanzielle Ausgangssituation der Betroffenen es zulässt. Aus Sicht der Studienautoren stellen etwa sechs Zyklen eine vernünftige Grenze dar.

Quelle: Live-Birth Rate Associated With Repeat In Vitro Fertilization Treatment Cycles, Andrew D. A. C. Smith, PhD1,2; Kate Tilling, PhD1,2; Scott M. Nelson, PhD3; et al In JAMA. 2015;314(24):2654-2662. doi:10.1001/jama.2015.17296

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